Fruchtzucker: Sind Obst und Gemüse tatsächlich ungesund?

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Fruchtzucker war aus unseren frühen Kindertagen kaum wegzudenken: „An apple a day keeps the doctor away“ lautete Mutters gutgemeintes Credo, mit dessen Hilfe motiviert sie täglich versuchte, uns zu einem knackigen Stück Apfel anstelle der bunten Schokoriegelverpackung zu überzeugen. Von einer bunten Beigabe zu unserem morgendlichen Pausenbrot bis hin zu einem frisch gepressten Glas Orangensaft am Nachmittag – Fruchtzucker aus Obst und Gemüse war lange Zeit fester Bestandteil der Ernährungsgewohnheiten deutscher Familien.
In jüngerer Zeit scheint sich das Bild jedoch ein wenig zu wandeln, und der auch Fruktose genannte Fruchtzucker sieht sich verstärkt am gesundheitlichen Pranger: „Übergewicht – Fruchtzucker macht dick“ titelte der Focus vor einigen Jahren, Der Westen propagierte vorletztes Jahr „Zu viel Obst ist ungesund“ und die Deutsche Apotheker Zeitung hält Fruktose in einem recht aktuellen Beitrag gar für „so schädlich wie Alkohol“. Ganz schon viel Gegenwind für ein Naturprodukt, an dessen Saubermann-Image Jahrtausende praktisch nicht gerüttelt wurde!

Fruchtzucker: Zu Unrecht am Pranger?

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Fruktose bashing ist in Deutschland derzeit also en vogue. Woher diese „neue Angst“ vor zu viel Fruchtzucker allerdings kommt, wieso wir am wöchentlichen Bauernmarkt jedoch eigentlich beherzter denn je bei frischem Obst und Gemüse zulangen dürften und welche spannenden, gesundheitspolitischen Details im Hintergrund eine Rolle für den Imagewandel auf unseren Tellern spielen könnten – das alles und mehr erfahrt ihr in unserem Plädoyer für den Fruchtzucker!

Überblick:

  • Fruchtzucker vs. Zucker: Wer ist Engel, wer ist Teufel?

  • Fruchtzucker: Der Bote allen Übels – oder?

  • Das Dilemma um Mikronährstoffe im Fruchtzucker-Kontext

  • Wie viel Fruchtzucker pro Tag ist gesund?

  • Fruchtzucker: Wissenswerte Fakten & Alltagstipps

  • Fruchtzucker vs. Zucker: Wer ist Engel, wer ist Teufel?

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    3,4 Millionen Tonnen Zucker – diese gigantische Menge an Weißzucker produzierte die deutsche Zuckerindustrie alleine im Jahr 2014. Für jeden Einzelnen von uns bleiben damit etwa 32kg übrig – so hoch liegt der durchschnittliche deutsche Pro-Kopf-Verbrauch des weißen Goldes [1]. Das Suchtpotential des beliebten Süßungsmittels zeigt sich obendrein, wenn man sich einmal um den Blick über den Tellerrand bemüht und die gesamte Welt in Augenschein nimmt: Um satte 52,5% hat der Welthandel mit Zucker allein zwischen den Jahren 2000 und 2010 zugenommen [2].
    Man kann also guten Gewissens sagen: Wir sind zuckersüchtig. Glücklicherweise konnte uns die Wissenschaft über die letzten Jahre mit Hilfe zahlreicher Studien wachrütteln, um uns vor den Konsequenzen unseres ausufernden Zuckerkonsums zu bewahren: Im Rahmen diverser Untersuchungen zeigten sich starke Korrelationen zwischen dem übermäßigen Verzehr von zugesetztem Zucker z.B. aus Fertigprodukten und dem Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen mit Todesfolge [3], Zucker konnte nachweislich mit dem Auftreten der neurodegenerativen Krankheit Alzheimer [4] sowie der weit verbreiteten Stoffwechselkrankheit Diabetes [5] in Verbindung gebracht werden und darüber hinaus – wie in unserem gleichnamigen Artikel bereits erläutert – als wichtiger Faktor beim Entstehen einer Insulinresistenz [6] identifiziert werden, wie unter anderem die große, europaweit durchgeführte HELENA-Studie belegt [7].
    Zucker hält also allerlei Gefahren für uns bereit – wieso ihn also nicht durch etwas scheinbar gesünderes ersetzen: Fruchtzucker aus Obst und Gemüse zum Beispiel?!

    Aufstieg und Fall des Fruchtzuckers

    Erstaunlicherweise ist die Idee des Zuckerersatzes durch Fruchtzucker mittlerweile mehr als 40 Jahre alt. Obgleich die Beweggründe in den 70er Jahren gänzlich andere gewesen sein mögen, ebneten sie doch den Weg für eine Debatte, die in unserer heutigen Zeit für reichlich Diskussionsstoff rund um das Thema Fruktose sorgt:
    In einem hochbrisanten Artikel, der 2012 im britischen Guardian erschien, machte Autor Jacques Peretti die amerikanische Agrarpolitik der 70er Jahre für unser heutiges weltweites Übergewichtsproblem verantwortlich. Das Resultat seiner Recherchen: Um die während des Vietnamkriegs explodierenden Lebensmittelkosten zu senken und sich somit die Wählerstimmen der Mittelschicht zu sichern, beauftragte US-Präsident Richard Nixon den Akademiker und Agrar-Experten Earl Butz mit der Lösung dieses Problems. Unter dessen Führung wurde die Maisproduktion in den Vereinigten Staaten massiv angekurbelt, so dass nicht nur Zuchtvieh besser gemästet werden konnte, sondern auch zahlreiche neue Produkte auf den Markt kamen, die das Einkaufen wieder erschwinglicher machten.
    Und nicht nur das: Die erhebliche Subventionierung durch die US-Regierung sorgte dafür, dass sich Mais vergleichsweise billiger als Zucker in der Nahrungsmittelindustrie einsetzen ließ. Noch viele Jahre später setzte sich dieser Trend fort, so dass die Maisproduktion trotz immer weiter fallender Preise kontinuierlich aufgestockt wurde, wie eine Studie der unabhängigen Hilfsorganisation Oxfam belegt:

    Fruchtzucker: Die Maisproduktion als Wurzel allen Übels

    Bildquelle: “Truth or consequences”. Oxfam Briefing Paper, 2005.

    Als Earl Butz auf eine japanische Innovation aufmerksam wurde, mit deren Hilfe aus Mais ein süß-klebriger Sirup hergestellt werden konnte, nahm die Mais-Expansion neue Dimensionen an: HFCS (High Fructose Corn Syrup) ermöglichte es der Industrie, Mais als Süßungsmittel in diversen Alltagsprodukten von Pizza bis Krautsalat als Süßungsmittel einzuführen.
    Der Clou: Maissirup ließ sich somit nicht nur billig herstellen, durch seinen hohen Fruktose-Anteil ist Fruchtzucker auch noch süßer als Zucker, weshalb theoretisch mit geringeren Mengen produziert werden könnte – man würde also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können.

    Eine verhängnisvolle Entscheidung

    Während im Zuge der aufkeimenden Verteuflung von Nahrungsfett durch den populären Ernährungswissenschaftler Ancel Keys und die amerikanische Zuckerindustrie „low fat“-Produkte verstärkt auf den Markt gebracht wurden, begannen die Menschen in den Vereinigten Staaten mit dem Einzug von HFCS in die Lebensmittelregale relativ unbemerkt immer größere Mengen an Fruchtzucker zu sich zu nehmen.
    Aber nicht nur der flächendeckende Einsatz von Zuckerersatzstoffen steigerte den Konsum: Durch die doppelte Süßkraft der Fruktose im Vergleich zur Glukose [8] liegt die Vermutung nahe, dass – angetrieben durch den ansprechenderen Geschmack – auch deutlich mehr HFCS-haltige Lebensmittel verkauft wurden. Und tatsächlich: Eine 2005 von BASCIANO et al. publizierte Studie [9] stellte fest:

    “Fructose consumption has thus largely increased over the past few decades most likely as a result of this increased use of HFCS, which contains between 55–90% fructose. The use of HFCS has increased an alarming 1000% between 1970 and 1990.”

    Die fatalen Auswirkungen dieser Entwicklung, die zur damaligen Zeit in ersten Versuchsreihen bestenfalls erahnt werden konnten, sind heutzutage wissenschaftlich gut dokumentiert: Fruchtzucker ist die bioaktive Komponente, die für eine Leptin-Resistenz verantwortlich ist [10] – dem Hormon, welches für unser Sättigungsgefühl mitverantwortlich gemacht wird.
    Der mehrheitlich eingesetzte neue Süßstoff ist also die Triebfeder hinter unserem immer stärker werdenden Verlangen nach immer mehr entsprechenden Produkten, die unsere Sättigung auf hormoneller Ebene austricksen und uns damit ins offene Messer diverser Krankheiten laufen lassen, wie eine Grafik aus einer 2010 in der medizinischen Fachzeitschrift Circulation publizierten Studie [11] zeigt:

    Fruchtzucker: Ein (Mit-)Auslöser für viele Krankheiten

    Bildquelle: “Sugar Sweetened Beverages, Obesity, Type 2 Diabetes and Cardiovascular Disease risk”. VS Malik et al. Circulation, 2010.

    Fruchtzucker: Der Bote allen Übels – oder?

    Fruchtzucker scheint also ein mindestens so zerstörerisches Potential wie Haushaltszucker zu besitzen – besonders, wenn man sich die Korrelation zwischen der Entstehung von Übergewicht, Adipositas und der Nutzung von HFCS einmal näher zu Gemüte führt:

    Fruchtzucker: Die Quelle von Übergewicht und Adipositas?

    Bildquelle: “Steigender Fruktosekonsum als Auslöser des metabolischen Syndroms?”. K Berneis, U Keller. Schweizerisches Medizin-Forum, 2006.

    Aber kann ein Naturprodukt wie Fruchtzucker wirklich nur schlecht sein?

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    Die Vorteile von Fruchtzucker

    Fruchtzucker, wie wir ihn aus vielen Obst- und Gemüsesorten kennen, bietet unserem Körper diverse gesundheitliche Vorteile gegenüber reiner Glukose:
    Der erste – häufig fälschlich als Problem dargestellt – ist seine Verstoffwechslung über die Leber. Während Glukose direkt ins Blut gelangt, benötigt der Fruchtzucker mit seinem Umweg über die Leber einige Zeit länger, bis er ins Blut gelangt, die Folge: ein gemäßigterer Anstieg des Blutzuckerspiegels. Während rapide Blutzuckerspitzen lediglich für ein kurzes Sättigungsgefühl sorgen, gibt uns ein weniger stark schwankender Blutzuckerspiegel länger das Gefühl, satt zu sein – wir essen demnach weniger häufig. Ist das körpereigene Fruktose-Limit erreicht, erfolgt die Umwandlung in Triglyzeride. An dieser Stelle werden oftmals die Alarmglocken geläutet – vielfach zu Unrecht, wie wir später sehen werden.
    Weiterhin handelt es sich bei der Wahl für natürliche Lebensmittel und gegen den raffinierten Haushaltszucker um eine Wahl für Nährstoffe und gegen “leere Kalorien”, da gerade viele Obst- und Gemüsesorten in puncto Mikronährstoffen sehr gut aufgestellt und oft besonders reich an Vitaminen, Mineralien, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen sind – ein Faktor, der sich nach neueren Erkenntnissen vor allem auch positiv auf die häufig unterschätzte Darmgesundheit auswirkt [12].
    Fruktose hält uns also länger satt und liefert uns bedeutend mehr Mikronährstoffe, als es der Haushaltszucker je zu tun vermag.

    Das Dilemma um Mikronährstoffe im Fruchtzucker-Kontext

    Wir befinden uns also auf einer relativ ausgeglichen wirkenden Wippe zwischen den potentiellen Gesundheitsrisiken durch einen stark erhöhten Fruchtzuckerkonsum auf der einen, und den physiologischen Vorteilen eines ausreichenden Fruchtzuckerkonsums über Obst & Gemüse auf der anderen Seite. Die drängende Frage lautet nun: Auf welcher Seite steht man besser?
    So schwierig die Abwägung an dieser Stelle zuerst erscheinen mag, so einfach ist sie dann am Ende doch.

    Verlässliche Empfehlungen?

    Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt einen täglichen Konsum von 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag [13]. Damit sei man „reichlich mit Vitaminen, Mineralstoffen sowie Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen versorgt“, wodurch sich „das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten“ verringern ließe.
    Die Sache hat nur einen Haken: Seit den 80er Jahren hat die Qualität der Lebensmittel, gemessen an deren Mikronährstoffgehalt, dramatisch abgenommen [14]. Waren Obst und Gemüse früher noch hervorragende Nährstofflieferanten, so hat sich dieses Bild über die Jahre auf Grund von ausgelaugten Böden, Umweltverschmutzung und diversen weiteren Gründen stark gewandelt. Als Beispiel für diese unglückliche Entwicklung führen wir nachfolgend ein paar Vergleichswerte einer Erhebung des Lebensmittelkontrolllabors Karlsruhe sowie des Sanatoriums Oberthal an:

    Fruchtzucker: Lebensmittel im Wandel der Zeit

    Bildquelle: einegesundemoeglichkeit.de

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    Theoretisch müssten wir heutzutage also etwa die drei- bis vierfache Menge mehr Obst & Gemüse täglich essen als noch vor 20 Jahren. Die Empfehlungen der DGE könnten, aus diesem Blickwinkel betrachtet, somit berechtigterweise angezweifelt werden.
    Doch wieso ist diese Problematik eigentlich so wenig bekannt und wieso werden die offiziellen Empfehlungen einer Institution, die maßgeblich von Bund und Ländern finanziert wird, nicht an die aktuellen Entwicklungen angepasst?

    Eine unbequeme Wahrheit

    Gemäß der offiziellen Informationen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) wird „monatlich auf Basis eines Warenkorbs […], der Waren und Dienstleistungen eines deutschen Durchschnittshaushalts [widerspiegelt]“ der sogenannte Verbraucherpreisindex gebildet. Dieser Verbraucherpreisindex fließt seinerseits „häufig in die Berechnung z.B. von Sozialleistungen ein“ [15]. Doch was hat das Ganze mit Obst & Gemüse zu tun?
    Sozialleistungen sind in Deutschland nicht in Stein gemeißelt. „Bestimmte Entwicklungen“ können laut BMAS dazu führen, dass es zu „Anpassung von Geldbeträgen bezogener Sozialleistungen“ kommt – was bedeutet, dass Sozialleistungen wie Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld herabgestuft oder aufgestockt werden können. Diese sogenannten Indexanpassungen erfolgen dabei auf „Grundlage der Lohnentwicklung oder des Verbraucherpreisindex“.
    Für unseren Fall heißt das: Auf Grund der nachlassenden Qualität der Nahrungsmittel müsste eigentlich eine größere Menge eben dieser verzehrt werden, damit der eigene (Mikronährstoff-)Bedarf überhaupt erst gedeckt werden kann. Folglich müsste allerdings der Verbraucherpreisindex entsprechend angehoben werden, was dazu führen würde, dass die Menschen deutschlandweit einen höheren Anspruch auf staatliche Zuwendungen hätten!
    Ein reichlich teures Unterfangen also. Doch würden wir mehr Obst und Gemüse aufnehmen, wäre ein gleichzeitiger Anstieg unseres täglichen Konsums an Fruchtzucker unausweichlich. Aber würden wir uns damit überhaupt noch in einem gesunden Rahmen bewegen?

    Wie viel Fruchtzucker pro Tag ist gesund?

    Auf Mikronährstoffebene müssten wir also prinzipiell deutlich mehr Obst und Gemüse zu uns nehmen, als uns von offizieller Seite aus empfohlen wird – doch würden wir damit nicht zu viel Fruchtzucker aufnehmen? Und überhaupt: Mit wie viel Fruchtzucker täglich kommt unser Körper zurecht?
    Fragen über Fragen – doch zum Glück gibt es mittlerweile wissenschaftliche Erkenntnisse, die uns an dieser Stelle als Richtlinie dienen können:
    Bereits 2008 ging LG Sánchez-Lozada mit ihrem Team der Frage nach, wie viel Fruktose täglich vertretbar und gesund sei, so dass sich Parameter für das Entstehen von Übergewicht oder Diabetes nicht verschlechterten [16]. Das Ergebnis ihrer Studie:

    “In conclusion, obesity and diabetes rates were low when total fructose intake was in the range of 25–40 g/d

    25 bis 40g Fruchtzucker am Tag also – doch ist damit das Limit tatsächlich erreicht? Die Wissenschaftler RJ Johnson und Robert Murray teilen diese Meinung nicht vollumfänglich.

    Fruchtzucker aus Obst & Gemüse: In den meisten Fällen unbedenklich!

    In ihrer Studie „Fructose, Exercise and Health“ aus dem Jahr 2010 kommen sie zu folgender Schlussfolgerung:

    “A growing body of research suggests that excessive intake of fructose (e.g., >50 g•d−1) may be linked to development of the metabolic syndrome.
    […]
    However, for athletes, a positive aspect of fructose metabolism is that, in combination with other simple sugars, fructose stimulates rapid fluid and solute absorption in the small intestine and helps increase exogenous carbohydrate oxidation during exercise, an important response for improving exercise performance. Although additional research is required […] regular exercise training and consequent high daily energy expenditure may protect athletes from the negative metabolic responses associated with chronically high dietary fructose intake.

    Die postulierte Fruchtzucker-Schwelle von Sánchez-Lozada et al. scheint also für den unsportlichen Otto-Normalbürger nicht verkehrt zu sein, für Sportler könnten laut Johnson und Murray aber nochmals andere Grenzwerte gelten, zumal sich durch gut getimten Konsum von Fruchtzucker auch physiologische Vorteile ergeben können [17].

    Fruchtzucker: Wissenswerte Fakten & Alltagstipps

    Die altbewährte Erkenntnis, dass allein die Dosis darüber entscheide, ob etwas giftig sei oder nicht, scheint demnach auch für die Fruktose bzw. den Fruchtzucker zu gelten.
    Per se macht Fruchtzucker nicht mehr oder weniger „dick“ als andere Zuckerarten auch [18], wie JL Sievenpiper et al. in ihrer Untersuchung aus dem Jahre 2012 feststellten:

    “Fructose does not seem to cause weight gain when it is substituted for other carbohydrates in diets providing similar calories.”

    Wenn es also ums Thema Abnehmen geht, entscheidet schlussendlich die tägliche Kalorienbilanz darüber, ob wir zu- oder abnehmen, wie wir bereits in unserem Artikel über die Definitionsphase dargelegt haben. Fruktosehaltige Lebensmittel müssen also weder gemieden noch mit größter Vorsicht konsumiert werden, wie uns diverse Artikel in der Manier populistischer Angstmache gerne zu verstehen geben wollen. Solange Fruchtzucker nicht komplett missbräuchlich konsumiert wird, ist es in vernünftigen Mengen für den menschlichen Organismus kein Problem, wie JS White in einer 2013 publizierten Untersuchung [19] herausstellt:

    “[…]fructose is safe at typical intake levels but can produce adverse metabolic effects when abused—as is true of most nutrients.”

    Als “typical intake levels” lässt sich dabei der von Sánchez-Lorada als sicher propagierte Wert von 25-40g Fruchtzucker pro Tag heranziehen, da White auf eine gezielte Empfehlung in dieser Form verzichtet.
    Das tatsächliche Problempotential in Sachen übermäßigem Fruktosekonsum liegt dabei ganz klar auf Seiten z.B. von Obstsäften, gesüßten Getränken („Soft drinks“) und weiteren, mit HFCS behandelten Lebensmittel. Natürliche Lebensmittel bringen uns dabei längst nicht so schnell an unser körpereigenes Fruchtzucker-Limit, wie ein Auszug aus den Erhebungen des Auswertungs- und Informationsdienstes für Ernährung (aid) [20] deutlich macht:


    Fruktosegehalt je 100g/ml
    Obst
    Apfel (klein-mittelgroß)5,7g
    Ananas (2-3 Scheiben)2,4g
    Himbeere (kleine Schale voll)2,1g
    Banane (1 ganze Frucht)3,4g
    Pfirsich (2 Stück)1,2g
    Gemüse
    Blumenkohl (1 Hand voll Sprossen)0,9g
    Brokkoli (1 Hand voll Röschen)1,1g
    Gurke (1/4 – 1/2 Stück)0,9g
    Möhren (2 mittelgroße)1,3g
    Paprika (eine Hälfte mittlerer Größe)1,3g
    Getränke
    Apfelsaft6,4g
    Traubensaft8,3g
    Coca Cola7,2g

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    Das Geheimnis liegt also in der individuellen Ausgestaltung der Ernährung: Wer für seine Fruchtzucker- und Mikronährstoffversorgung verstärkt auf Gemüse setzt, muss sich glücklicherweise so gut wie keine Gedanken um die übermäßige Aufnahme von Fruktose machen. Diese würde im jeweiligen Fall nämlich erst bei Mengen von ca. 4kg Brokkoli oder derselben Menge Möhren am Tag problematisch werden und spätestens dann hätte man höchstwahrscheinlich mit ganz anderen Problemen als ein bisschen zu viel Fruktose zu kämpfen (Stichwort: Verdauung!).
    Ein ähnliches Bild in Sachen Fruchtzucker zeichnet sich auch beim Obst ab: Zwar gibt es Obstsorten, die fruktosehaltiger sind als andere, selbst beim Verzehr größerer Mengen sollten die meisten Früchte allerdings im Regelfall (=keine gesundheitliche Vorschädigung) nicht zu Problemen führen. Als Beispiel hierfür können Himbeeren dienen, von denen täglich mehr als 2kg auf dem Teller landen müssten, um für Probleme an der Fruktosefront zu sorgen. Doch selbst stark fruktosehaltige Obstsorten wie Äpfel können weitgehend sorgenfrei gegessen werden, da selbst hierbei täglich mehr als 8 Stück konsumiert werden müssten, was nicht unbedingt dem Essverhalten der Durchschnittsbevölkerung entsprechen dürfte (wir erinnern uns: „1 apple a day…“).
    Anders sieht es hingegen bei den Getränken aus: In einer Erhebung, die 2010 in der Fachzeitschrift Obesity erschienen ist [21], wurde der tatsächliche Fruchtzucker-Gehalt von Soft drinks untersucht. Das Ergebnis: Nicht nur wurde der Zuckergehalt in manchen Getränken insgesamt zu niedrig angegeben, es zeigte sich auch, dass durchschnittlich mehr HFCS als herkömmlicher Haushaltszucker in der Produktion verwendet wird! Soft drinks enthalten also „viel“ Fruchtzucker – doch ab welcher Menge wird es problematisch?
    Die ernüchternde Antwort: Zieht man die Ergebnisse der obigen Untersuchung zu Rate, so zeigt sich, dass bereits zwei große Gläser Cola genügen können, um die tägliche Fruchtzuckergrenze auszureizen! Und damit nicht genug: Sprite, Fanta, Pepsi und sogar Ice Tea verzeichnen ähnliche HFCS-Konzentrationen.

    Wie vermeide ich zu viel Fruchtzucker in meiner Ernährung?

    • Gemüse als gesunde und sättigende Beilage zu den Mahlzeiten nutzen
    • Obst (besonders in fruktosearmer Form) kann ebenfalls umfangreich in Form von eigenständigen Snacks oder als Beilage z.B. in einem Müsli gegessen werden
    • (Frucht-)Zuckerhaltige Getränke sollten bestmöglich gemieden werden. Sportler vor einer anstehenden Belastung können dabei eine Ausnahme bilden. Dennoch gilt auch hier: Nicht übertreiben!
    • Ein Fokus auf viel Gemüse & Obst aus regionalem Anbau und/oder in BIO-Qualität ist der Königsweg


    Quellen:
    [1] “Branchenbericht der Zuckerindustrie”. Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, 2014: https://www.ngg.net/fileadmin/medien/2014/PDFs/Branchenberichte/Branchenberichte_2014/WG_500_Zucker_2014.pdf
    [2] “Welthandel mit Zucker”. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: http://berichte.bmelv-statistik.de/AHT-0113022-2010.pdf
    [3] “Added Sugar Intake and Cardiovascular Diseases Mortality Among US Adults”. Q Yang et al. JAMA Internal Medicine, 2014.
    [4] “Hyperglycemia modulates extracellular amyloid-β concentrations and neuronal activity in vivo”. SL Macauley et al. Journal of Clinical Investigation, 2015.
    [5] “High-sugar diets, type 2 diabetes and Alzheimer’s disease”. PI Moreira. Current opinion in clinical nutrition and metabolic care, 2013.
    [6] “Consumption of sugar-sweetened beverages is positively related to insulin resistance and higher plasma leptin concentrations in men and nonoverweight women”. A Lana et al. The Journal of Nutrition, 2014.
    [7] “Daily sugar-sweetened beverage consumption and insulin resistance in European adolescents: the HELENA (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence) Study”. K Kondaki et al. Public health nutrition, 2013.
    [8] “Lehrbuch für Lebensmittelchemie”. H-D Belitz et al, 2008. S. 891-909.
    [9] “Fructose, insulin resistance, and metabolic dyslipidemia”. H Basciano et al. Nutrition & Metabolism, 2005.
    [10] “Prevention and reversal of diet-induced leptin resistance with a sugar-free diet despite high fat content”. A Shapiro et al. The British journal of nutrition, 2011.
    [11] “Sugar Sweetened Beverages, Obesity, Type 2 Diabetes and Cardiovascular Disease risk”. VS Malik et al. Circulation, 2010.
    [12] “Darm mit Charme”. G Enders, 2014.
    [13] “Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE”: https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/
    [14] http://www.ratgeber-gesund-leben.de/vergleichsstudie.htm
    [15] “Glossar – V – Verbraucherpreisindex”. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: http://www.bmas.de/DE/Service/Glossar/Functions/glossar.html?cms_lv2=118998&cms_lv3=128046
    [16] “How safe is fructose for persons with or without diabetes?”. LG Sánchez-Lozada et al. American Society of Clinical Nutrition, 2008.
    [17] “Fructose, Exercise, and Health”. RJ Johnson, R Murray. Current Sports Medicine Reports, 2010.
    [18] “Effect of fructose on body weight in controlled feeding trials: a systematic review and meta-analysis”. JL Sievenpiper et al. Annals of internal medicine, 2012.
    [19] “Challenging the Fructose Hypothesis: New Perspectives on Fructose Consumption and Metabolism”. JS White. American Society of Nutrition, 2013.
    [20] “Fruktose-, Glukose-, Saccharose und Sorbit-Gehalt in g pro 100 g”. infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz: http://www.was-wir-essen.de/download/fruktose_glukose_saccharose_sorbit_gehalt.pdf
    [21] “Sugar Content of Popular Sweetened Beverages Based on Objective Laboratory Analysis: Focus on Fructose Content”. EE Ventura et al. Obesity, 2010.

    Bildquelle: Skanska Matupplevelser (Flickr, CC BY-ND 2.0), Jessica Spengler (Flickr, CC BY 2.0), travel oriented (Flickr, CC BY-SA 2.0)

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Comments

  1. Max says:

    Danke, hab ich mich schon lange mal gefragt!

  2. Eduard Klassen says:

    Sehr guter und ausführlicher Bericht! Vielen Dank!

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