Natürliche Fettverbrenner: Was bringt eine L-Carnitin Einnahme?

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Fatburner sind wohl gerade nach Weihnachten eine der ganz dicken Goldgruben in der Industrie für Nahrungsergänzungsmittel. Leichtgläubige Kunden werden mit Versprechungen geködert, natürliche Fettverbrenner wie L-Carnitin würden ihren Stoffwechsel anregen und somit die Fettverbrennung merklich ankurbeln, so dass sich überflüssige Kilos im Krafttraining einfach ausschwitzen lassen. Wie wir am Beispiel Grüntee allerdings bereits gesehen haben: Solche Empfehlungen sind mit Vorsicht zu genießen, der tatsächliche Effekt fällt in der Praxis meist bedeutend geringer aus als angepriesen – wenn er sich überhaupt einstellt. Um eure Geldbörse vor Supplements, die ihr Geld nicht wert sind, zu schützen, beleuchten wir von german-aesthetics heute für euch, was der natürliche Fettverbrenner L-Carnitin angeblich kann, wie er wirken soll und ob dieses Supp tatsächlich hält, was es verspricht.

Was ist L-Carnitin?

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Erhältlich ist es in Kapseln, als Riegel oder in flüssiger Form – aber was ist das eigentlich: L-Carnitin? Zuerst einmal: hier wird nicht die große Chemiekeule geschwungen. Bei unserem angeblichen “Fettkiller” handelt es sich um eine natürlich vorkommende Aminosäureverbindung, die unser Körper aus den Aminosäuren Lysin und Methionin selbst synthetisieren kann. Wer in seiner Ernährung verstärkt auf tierische Eiweißquellen setzt, der kann es aber auch aus der Nahrung gewinnen: besonders rotes Fleisch ist carnitinreich, in Geflügelfleisch ist der natürliche Fettverbrenner dagegen weniger vorhanden, in pflanzlichen Lebensmitteln so gut wie gar nicht.

Nachdem wir nun wissen, dass unser Körper in der Lage ist, seinen Carnitinhaushalt selbst wieder aufzufüllen oder wir es ansonsten über die Nahrung aufnehmen können, stellt sich die berechtigte Frage: Wieso ist dieses Nahrungsergänzungsmittel überhaupt im Handel erhältlich? Abgesehen von der Vermutung, Vegetarier oder sich fleischarm ernährende Menschen könnten an einem Mangel leiden, führt uns diese Frage zu dem wichtigen Faktor Bioverfügbarkeit. Hier ist es um unseren natürlichen Fettverbrenner nämlich nicht besonders gut bestellt: L-Carnitin aus der Nahrung kann nur zu 54-87% verstoffwechselt werden [1]! Dieser Wert scheint dafür zu sprechen, dass es unter Umständen tatsächlich eine Berechtigung für natürliche Fettverbrenner-Supplements im Krafttraining zu geben scheint, aber sehen wir erst mal weiter.

Was soll eine zusätzliche Einnahme bewirken?

Die Liste, was der natürliche Fettverbrenner angeblich alles für unser Krafttraining leisten soll, ist lang: Als kleines Rädchen im großen Werk des Energiestoffwechsels unseres Körpers ist L-Carnitin für den Transport von Fettsäuren zuständig. Die Idee, die hinter einer zusätzlichen Einnahme steht, ist, diesen Prozess zu beschleunigen. Als Resultat soll der Fettstoffwechsel intensiviert und somit mehr Fett verbrennt werden. Eine weitere Eigenschaft soll die Verbesserung der Sauerstoffaufnahmekapazität darstellen, ein Faktor, der abseits vom Krafttraining besonders Ausdauersportler betrifft. Zu guter Letzt soll die Regeneration nach sportlicher Betätigung verbessert werden. Nicht schlecht – aber stimmt das auch wirklich oder werden wir frei nach dem Motto „mehr Show als Go“ übers Ohr gehauen?

Was der natürliche Fettverbrenner wirklich kann

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Ob der „natürliche Fettverbrenner“ seinem Namen gerecht werden kann, das wollen wir jetzt einmal genauer untersuchen. Dazu unternehmen wir einen kurzen Ausflug in die Sportwissenschaft und deren aktuelle Forschungsergebnisse:

Hoffnungsträger im Kampf gegen Körperfett?

Vor einigen Jahren kam das Thema natürliche Fettverbrenner ins Rollen, als einige Studie positive Effekte in Zusammenhang mit zusätzlicher L-Carnitin Einnahme postulierten: In einigen kleinen Experimenten wurden sowohl eine verbesserte Fettverbrennung [2] als auch Hinweise auf eine mögliche Leistungssteigerung in Sport und Krafttraining [3] beobachtet. Doch bereits damals waren die Ergebnisse umstritten! Zum einen, weil bereits widersprüchliche Studien vorlagen, in denen zudem Nebenwirkungen zu Tage traten [4], die einige Probanden belasteten. Zum anderen, weil bereits zum damaligen Zeitpunkt ein wichtiger Fallstrick offensichtlich war: Durch eine zusätzliche Supplementierung konnte zwar der Carnitingehalt im Blut gesteigert werden, in der Muskulatur kam davon allerdings nichts an [5]! Ähnliche Erkenntnisse zeigte Jahre später eine Folgestudie, die eine leistungsfördernde Wirkung für Ausdauer- wie Krafttraining als Resultat daher ausschloss [6].

Die ungeschönte Wahrheit

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Natürliche Fettverbrenner sind kritisch zu betrachten – L-Carnitin bildet da keine Ausnahme. Die Realität ist: Die Fakten sprechen gegen das Abnehmmittel, zumal man unbedingt auf die Dosierung achten sollte, sonst kann man von unschönen Nebenwirkungen heimgesucht werden: Schweißausbrüche, Durchfall und Übelkeit wären da einige beliebte Kandidaten.
Die Optimisten unter euch können sich natürlich an die vereinzelten Erfolgsmeldungen klammern und es ausprobieren. Eine Empfehlung, dieses Supp für euer Krafttraining zu nutzen, geben wir aber nicht!


Quellen:
[1] “Metabolic fate of dietary carnitine in human adults: identification and quantification of urinary and fecal metabolites”. CJ Rebouche, CA Chenard. The Journal of nutrition, 1991.
[2] “The effect of l-carnitine on fat oxidation, protein turnover, and body composition in slightly overweight subjects”. KD Wutzke, H Lorenz. Metabolism: clinical and experimental, 2004.
[3] “Androgenic responses to resistance exercise: effects of feeding and L-carnitine”. WJ Kraemer et alt. Medicine and science in sports and exercise, 2006.
[4] “L-Carnitine supplementation combined with aerobic training does not promote weight loss in moderately obese women”. RG Villani et alt. International journal of sport nutrition and exercise metabolism, 2000.
[5] “Supplemental carnitine and exercise”. EP Brass. The american journal of clinical nutrition, 2000.
[6] “Effect of glycine propionyl-L-carnitine on aerobic and anaerobic exercise performance”. WA Smith et alt. International journal of sport nutrition and exercise metabolism, 2008.

Bildquelle: mikebaird (Flickr, CC BY 2.0), vinodvv aka vcube (Flickr, CC BY 2.0), Hambear (Flickr, CC BY-SA 2.0)

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