Tribulus Terrestris: Ein natürlicher Testosteron-Booster?

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Das Sexualhormon Testosteron ist ein wichtiger Bestandteil im komplexen Muskelaufbau-Puzzle des menschlichen Körpers. Da es sich beim Testosteron um einen wichtigen Hebel für die Muskelproteinsynthese handelt [1] , die den Erfolg des Muskelaufbaus maßgeblich mitbestimmt, geraten viele Sportler in Versuchung, ihr körpereigenes Testosteron-Niveau durch die Verwendung illegaler Präparate zu erhöhen. Und das Ausmaß ist enorm: Studien der Universitätsklinik Lübeck und der Universität Frankfurt belegen, dass knapp 25% der männlichen Freizeitsportler in deutschen Fitness-Studios „leistungsbeeinflussende Substanzen und Dopingmittel“ einnehmen, wobei u.a. Testosteron-Präparate eine herausragende Stellung einnehmen [2] !
Da es sich bei diesen Hilfsmitteln auf der einen Seite um illegale Substanzen handelt, die zudem eine erhebliche Bandbreite an Risiken und potentiellen Nebenwirkungen aufweisen, die Nachfrage auf der anderen Seite jedoch ebenfalls beträchtlich zu sein scheint, versucht sich die Supplement-Industrie bis heute an einem Spagat, der in pflanzlichen, legal erwerbbaren Produkten mit der Bezeichnung Tribulus Terrestris seine Vollendung findet. Die große Frage, die sich an dieser Stelle aufdrängt, lautet natürlich: Ist die Tribus Terrestris-Wirkung tatsächlich bewiesen oder handelt es sich dabei nur um eines von vielen Blindgängern, die wie L-Carnitin viel versprechen, aber wenig einzuhalten vermögen?

Was genau ist Tribulus Terrestris?

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Die Wirkstoffe, die für einen natürlichen Anstieg des Testosteronspiegels verantwortlich sein sollen, werden aus dem so genannten Erd-Burzeldorn, einer exotischen Pflanze mit Herkunftsgebiet in Asien und Afrika, gewonnen. In diversen Tierversuchen konnten die unterschiedlichsten Effekte, von einer blutdrucksenkenden Wirkung bis hin zu einer gesteigerten Potenz, dokumentiert werden. Im Rahmen dieses Artikels widmen wir uns allerdings lediglich der Tribulus Terrestris-Wirkung auf den menschlichen Organismus, speziell mit dem Fokus auf den Muskelaufbau. Wir versuchen dabei aufzudecken, ob es belegbare Hinweise darauf gibt, dass das Supplement tatsächlich eine Berechtigung für das Krafttraining mitbringt oder ob es lediglich euren Geldbeutel schmaler werden lässt.

Die Tribulus Terrestris-Wirkung in der kritischen Betrachtung

Während sich im Bereich der Tierversuche zahlreiche Studien finden lassen, die wie angesprochen die unterschiedlichsten Wirkungsweisen bei den Versuchsobjekten aufzeigen konnten, ist die Studienlage für den Menschen längst nicht so eindeutig. In Hinblick auf das Potential des Supplements, den Aufbau von neuer Muskelmasse durch einen erhöhten Testosteronspiegel zu begünstigen, wurden in den letzten Jahren diverse Versuchsreihen mit menschlichen Probanden durchgeführt, um den Wahrheitsgehalt hinter dem Mythos um die Tribulus Terrestris-Wirkung als „natürlichen Testosteronbooster“ zu untersuchen.
Erste kritische Stimmen finden sich diesbezüglich bereits im Jahr 2000 in einer US-Studie von J. Antonio et alt. Im Rahmen einer 8-wöchigen Studie wurden 15 kraftsporterfahrenen Athleten entweder 3,21mg Tribulus pro kg Körpergewicht oder alternativ ein Placebo verabreicht. Das Ergebnis: Weder beim Körpergewicht, noch beim Wasserhaushalt, Körperfettanteil oder hinsichtlich der allgemeinen Stimmungslage der Probanden konnten signifikante Unterschiede verzeichnet werden [3] . Die Forschergruppe kam abschließend zu dem ernüchternden Urteil, dass durch eine regelmäßige Einnahme von Tribulus Terrestris keine leistungssteigernde Wirkung im Krafttraining zu erwarten sei.
Diese Ergebnisse decken sich mit den Erkenntnissen der Untersuchungen von Brown et alt., die einer 20-köpfigen Probandengruppe ebenfalls entweder ein Placebo oder ein Supplement, welches unter anderem 750mg Tribulus Terrestris enthielt, verabreichten, und nach einer 8-wöchigen Trainingsphase der Probanden die Unterschiede zwischen den Gruppen feststellen wollten. Auch hierbei gelangten die Forscher zu der Einsicht, dass keine messbare Tribulus Terrestris-Wirkung auf den menschlichen Organismus nachgewiesen werden kann, da sich die Testosteronkonzentration im Blut der Tribulus-Gruppe nicht signifikant verändert hatte [4] .

2007 erfolgte der nächste Rückschlag für das Nahrungsergänzungsmittel: In einer australischen Studie sollte untersucht werden, ob Sportler durch die Einnahme von Tribulus Terrestris bei einem Dopingtest positiv auffällig werden. Die Ergebnissen entlasteten das Supplement, die Dopingtests fielen negativ aus – was allerdings der Tatsache geschuldet war, dass sich in Urinproben weder Hinweise auf eine erhöhten Testosteronwert fanden, noch eine Leistungssteigerung bei supplementierenden Sportlern eintrat [5] .

Die Wahrheit hinter der Tribulus Terrestris-Wirkung

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Die Faktenlage hinsichtlich einer potentiellen Tribulus Terrestris-Wirkung beim Menschen ist relativ eindeutig: Es gibt bis dato keine verlässlichen Studien, die einen positiven Effekt des Supplements auf den menschlichen Testosteronspiegel belegen.
Anstatt sein Geld also in fruchtlose Produkte zu investieren, sollte jeder ambitionierte Sportler erst einmal die 5 wichtigsten Erfolgsfaktoren im Krafttraining beherzigen und umsetzen, um so dauerhaften Fortschritt optimal vorzubereiten.

Quellen:
[1] “Effect of testosterone on muscle mass and muscle protein synthesis”. RC Griggs et alt. Journal of applied physiology, 1998.
[2] http://www.aerzteblatt.de/archiv/143461/Leistungsbeeinflussende-Substanzen-im-Breiten-und-Freizeitsport-Trainieren-mit-allen-Mitteln
[3] “The effects of Tribulus terrestris on body composition and exercise performance in resistance-trained males”. J Antonio et alt. International journal of sports nutrition and exercise metabolism, 2000.
[4] “Effects of anabolic precursors on serum testosterone concentrations and adaptations to resistance training in young men”. GA Brown et alt. International journal of sports nutrition and exercise metabolism, 2000.
[5] “The effect of five weeks of Tribulus terrestris supplementation on muscle strength and body composition during preseason training in elite rugby league players”. S Rogerson. Journal of strength and conditioning research, 2007.

Bildquelle: mikecogh (Flickr, CC BY-SA 2.0), miss.libertine (Flickr, CC BY 2.0), Asp Explorer (Flickr, CC BY 2.0)

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